Da Trauma die zentrale Dynamik ist, die so vielen Krankheiten zugrunde liegt, müssen wir zunächst Augen und Ohren sensibilisieren, um es zu erkennen damit Traumaheilung gelingen kann. Und sobald ein Trauma erkannt ist, wissen jedoch die meisten Menschen nicht, wie sie mit dem Trauma umgehen sollen, so Gabor Maté.
Grosse Teile unserer Physiologie verändert sich mit der Taumaheilung. Diese Veränderung anzustreben lohnt sich sehr, da es uns eine noch nie dagewesene Lebendigkeit ermöglicht. Im Wesentlichen kann sich der Körper endlich entspannen und wenn wir unsere Traumatisierungen auflösen, können wir auf einer ganz tiefen Ebene, weit über das Psychische hinaus, heilen.
Und jetzt kommt die gute Nachricht: Traumheilung ist eigentlich einfach.
Unter Trauma versteht Gabor Maté einen psychischen Riss im Selbst aufgrund belastender oder verletzender Ereignisse. Ein Trauma ist nicht das was einem zustösst, sondern das, was in einem vorgeht. Es bleibt noch lange in unserem Nervensystem, unserem Geist und unserem Körper zurück und kann jederzeit wieder Schmerzen verursachen.
Normalerweise wird unter Trauma ein einziges schockartiges Erlebnis verstanden, wie zum Beispiel ein Missbrauchsfall, ein Unfall oder die Nachricht, dass ein nahestehender Mensch gestorben ist.
Bei einem schweren schockartigen Erlebnis wechselt der Körper völlig automatisch, ob wir das wollen oder nicht, in den Zustand, in dem er maximal verteidigungsbereit ist. Der Körper ist auf Kampf oder Flucht eingestellt. Das ist der natürliche Vorgang, der richtig und sinnvoll ist, denn ohne diese blitzartige Vorbereitung hätten wir nicht die Kraft, unser Leben in lebensgefährlichen Situationen zu retten. Das alles passiert schlagartig in dem Moment, in dem der Schock erfolgt.
Die Kampf-Flucht-Aktivierung ist nicht das Problem und noch lange kein Trauma, sondern die gesunde Reaktion unseres Organismus.
Von Schocktrauma sprechen wir erst dann, wenn der Organismus nicht mehr aus dem hochgradig aktivierten Zustand herausfindet, nachdem die Gefahr längst vorüber ist.
In einem Schocktrauma fühlen wir uns also weiterhin höchst unsicher und gestresst. Unser Körper ist jedoch nicht für eine solch extreme Aktivierung über längere Zeit ausgelegt. Das System ist vollkommen überreizt und entwickelt irgendwann Symptom. Vielleicht werden wir physisch krank, erleben Panikattacken, werden von Gefühlen und Bildern überflutet, brauchen Substanzen oder entwickeln eine Depression.
Erst jetzt spricht man von einem Schocktrauma. Der Körperzustand entspricht nicht mehr der realen Umgebung, die ja keine Bedrohung mehr darstellt. Ab diesem Punkt braucht unser Körper Hilfe. Wir können das Problem nicht durch einfache Dinge wie Ausruhen, Meditation, Urlaub oder schöne Aktivitäten lösen, da der beschriebene Körperzustand auf einer Veränderung im autonomen Nervensystem basiert und dies nicht unserem direkten Willen unterliegt.
Dazu mehr im Blogbeitrag:
https://petraschibli.com/vagus-der-selbstheilungsnerv/
Das ist jedoch nur einen Aspekt dieses Themenbereichs und hat den unbeabsichtigten Effekt, dass Trauma in den Bereich des Unüblichen verwiesen wird. Es handelt sich hierbei lediglich um ein Schocktrauma. Wenn es also eine spezielle Gruppe von Menschen gibt, die wir als „traumatisierte bezeichnen“ muss dass doch bedeuten dass die meisten von uns es nicht sind. Damit schiessen wir jedoch weit am Ziel vorbei, so Maté.
Traumata durchdringen unsere gesamte Kultur: von individuellen Erleben über soziale Beziehungen bis hin zu Bereichen wie Erziehung, Bildung, Wirtschaft und Politik. Tatsächlich wäre jemand der nicht von einer traumatischen Erfahrung geprägt ist, ein Sonderfall in unserer Gesellschaft.
Von diesem Thema sind zahllose Menschen unseres Kulturkreises betroffen. Es ist so tief verborgen, dass viele nicht wissen, dass es da ist. Das aus dem Griechischen stammende Wort „Trauma“ bedeutet Wunde. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: Es sind unsere emotionalen Wunden die einen Grossteil unseres Handelns ausmachen. Es ist unsere Reaktion auf die Emotion. Sie beeinflussen unsere sozialen Verhaltensmuster und prägen unser Weltbild. Bei vielen von uns zeigen sich diese Wunden in unserer engsten Partnerschaften und verursachen allerlei Unheil in unseren Beziehungen. Sie können später sogar Einfluss nehmen, ob wir in den wichtigsten Fragen unseres Lebens überhaupt zu rationalen Entscheidungen fähig sind.
Mein Blog Beitrag basiert auf dem Wissen von Gabor Maté. Ich empfehle daher sein Buch: „The Myth of normal“
Traumaheilung
An der Vergangenheit können wir nichts ändern und wir müssen uns mit ihr auch nicht beschäftigen. Die Not, die in uns ist, muss nicht analysiert und durch eine andere Art zu denken oder sich zu verhalten aufgelöst werden, sie muss lediglich kommuniziert werden. Damit beginnt nicht nur der Weg der Heilung, das ist bereits das Leben, nach dem wir uns sehnen.
Mehr zur Heilung in meinem Blog Beitrag über das ehrliche Mitteilen:
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2 Kommentare zu „Traumaheilung“